Verkehrs- und Trachtenverein Wittnau e.V.
| Alemannentag |
„Heimet muesch läbe und mache“Der Wittnauer Alemannentag in neuer Form
Stefan Pflaum, einer der besten Mundartkabarettisten aus der Region, brachte es auf den Punkt, als er mit seinem Duo-Partner Raimund Sesterhenn das Programm des traditionellen Wittnauer Alemannentags 2008 in der vollbesetzten Hirschenscheune gestaltete: „D’ Heimet isch nit eifach do. Heimet muesch läbe und mache.“
Schon seit einigen Jahren haben sich die Gemeinde Wittnau und der Verkehrs- und Trachtenverein Wittnau e.V., die Ausrichter des Allemannentags, Gedanken darüber gemacht, wie dieser traditionelle Tag neu belebt und attraktiver gestaltet werden könnte. Ganz dem Erbe des unvergesslichen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Karl Pache verpflichtet, der am 7. November 1971 den ersten Wittnauer Alemannentag ins Leben rief, wurde ab 1972 bis heute jedes Jahr am ersten Oktobersonntag, also am Erntedankfest, mit namhaften Mundartkünstlern aus dem alemannischen Sprachraum, mit unserer Trachtentanzgruppe, mit der Trachtenkapelle des Musikvereins, mit den Wittnauer Laienspielern und mit allen brauchtumsfreudigen Wittnauern und Gästen aus der Region der Alemannentag gefeiert.
Jedoch: Die Zeiten ändern sich. Von Jahr zu Jahr fand das Angebot in der Festhalle, - dem renovierungsbedürftigen Gallus-Haus-, weniger Anklang. Alle Bemühungen, die traditionelle Form zu wahren, erwiesen sich mehr und mehr als vergeblich. Es kamen immer weniger Gäste.
Der Verkehrs- und Trachtenverein mit Präsident Enrico Penthin, zugleich Bürgermeister, mit Ehrenpräsident Erich Birkle, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Alemannische Heimat Freiburg e.V. ist und dem Vorsitzenden Ernst Lutz mit seiner Vorstandschaft war sich einig: Wir machen weiter, aber in neuer Form.
Die Idee war am Erntedankwochenende ein „Alemannenabend“ am Samstag und ein Festgottesdienst mit anschließendem Frühschoppen und Mittagessen am Sonntag. Es war ein Glück, dass sich die Wirtsfamilie Winterhalter vom Landgasthof Hirschen aufgeschlossen zeigte und ihre vor einigen Jahren liebevoll restaurierte Hirschenscheune, im Volksmund „Hirscheschiire“, zur Verfügung stellte. Die Kulisse mit den grob verputzten Bruchsteinmauern, dem historischen Gebälk, der Dekoration mit zahlreichen inzwischen musealen landwirtschaftlichen Geräten bietet sich geradezu an für solch einen Abend. Die Sorge, man könnte kalte Füße bekommen in einer Scheune, ist unbegründet, denn an allen zeitgemäßen Komfort wurde beim Ausbau gedacht.
Um es gleich vorweg zu sagen: Der Alemannentag in seiner neuen Form war ein Erfolg! Die Hirschenscheune war am Samstagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Schon der Empfang mit einem Glas Sekt, charmant dargereicht von den Mitgliedern der Trachtentanzgruppe in ihrer Breisgauer Tracht, war ein heiterer Auftakt. Und das zünftige badische Hausmachervesper mit allem Drum und Dran und den anschließenden Apfelküchle zum Dessert, aufgetischt in der Programmpause, ließ nichts zu wünschen übrig.
Mit Stefan Pflaum, 2008 Träger des Regio-Kulturpreises der Stiftung Pro Europa und Leiter der „Muederspröchler“-Gruppe Dreisamtal, begleitet von Raimund Sesterhenn am Saxophon, der Violine oder an der Mandoline, hatte der Verein zwei Künstler eingeladen, die nicht trefflicher hätten den Abend gestalten können. Beide haben als sich genial ergänzendes Duo ihren Ruf inzwischen nicht nur in der näheren Heimat gefestigt. Sie haben sich längst im ganzen Ländle, im benachbarten Ausland auf zahlreichen Kleinkunstbühnen, aber auch bei Literaturtagen einen Namen gemacht. Stefan Pflaums facettenreicher Wortwitz, seine außergewöhnlichen Sprachspielereien, seine gereimten Zungenbrecher, seine scharfsinnigen Beobachtungen der Gesellschaft, da und dort schon ans Satirische grenzend, kurzum: sein knitziges alemannisches Naturell, getragen auch von der Wärme des Humors, kommen „über die Rampe“ und treffen sein Publikum in Kopf und Herz. Mitdenken muss man schon, aber wie sagt er selbst: „D’ Heimet isch nit eifach do. Heimet muesch läbe und mache.“ In Raimund Sesterhenn hat er einen kongenialen Partner. Unaufdringlich aber unverzichtbar untermalt Sesterhenn mit dem jeweils passenden Instrument und vielfach eigenen Kompositionen und Arrangements Pflaums Texte, zurückhaltend in scheinbar harmlosen Passagen, sich bis zur Klimax, zur Pointe steigernd im richtigen Moment. Das Publikum war begeistert, und die Veranstalter waren es auch.
Am Sonntag, dem Erntedankfest, feierte dann die Gemeinde den traditionellen Festgottesdienst zum Alemannentag mit allen Trachtenträgern, den Vereinen mit ihren Fahnenabordnungen im Festtagsornat und Gästen aus nah und fern. Das Frühschoppenkonzert der Trachtenkapelle des Musikvereins Wittnau , ebenfalls in der Hirschenscheune, führte nochmals zusammen und viele Gäste nahmen das Angebot wahr, in der urigen Atmosphäre in gemütlicher Runde das Mittagsessen einzunehmen.
Die neue Gestaltung des Wittnauer Alemannentags war ein Wagnis. Nach dem guten Erfolg und dem nachhaltigen Echo vieler Besucher sind sich Gemeinde und Verkehrs- und Trachtenverein einig, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Auf diesem Weg wollen wir weiter gehen. So dürfen wir schon heute auf den Alemannentag 2009 hinweisen, der traditionell am Wochenende des Erntedankfestes stattfinden wird mit einem „Alemannenabend“ am Samstag, dem 3. Oktober in der Hirschenscheune und dem Festgottesdienst mit anschließendem Frühschoppen und Mittagessen in der Hirschenscheune am Erntedanksonntag, dem 4. Oktober. Inzwischen hat der als „Kultfigur der badisch-elsässischen Liedermacherszene“ bekannte elsässische Liedermacher René Egles für den „Alemannenabend“ zugesagt. Wir dürfen uns also auf einen weiteren Höhepunkt in der Tradition des Wittnauer Alemannentags freuen.
Reservierungen nimmt ab sofort das Rathaus Wittnau entgegen: Tel.: 0761/ 4564790 und E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .
Elfi Harter-Bachmann (Wittnau)
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